Briefe 1871
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Fotoattest Claus Heitmann BPP
Detailansicht der Frankatur

Helgoland - Briefe 1871

Katalog Michel 2, 4

Helgoland 1867: 1 Schilling rosakarmin/dunkelgrn (oben leicht eckrund - im Attest nicht erwhnt) und 6 Schilling graugrn/lilarosa (perfekt tadellos) mit sauber und gerade aufgesetztem KBS "HELIGOLAND 31 AU 1871" als portorichtige 7 Schilling-Frankatur auf grerem, deshalb neu gefaltetem und etwas ldiertem Briefkuvert der 2. Gewichtsstufe nach Jena und von dort weitergeleitet nach Weimar, mit rckseitig sauberem Durchgangs-K1 "JENA 2/9".

Eine wohl einmalige Kombination des Hchstwertes der ersten Ausgabe auf Doppelbrief. Eine der ganz groen Raritten Altdeutschlands! Ex 19. Khler 1918, Maurice Burrus- und John Boker-Sammlung.

Die Briefbewertung im Michel ist vllig an der Marktrealitt vorbei - von den weniger als 10 (!) erhaltenen Briefen der 6 Schilling-Marke haben mehrere zwischen 20.000 und 30.000 EUR gekostet.

EUR 14.500

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Adressiert ist der Brief an Professor Hermann Karl Julius Traugott Schaeffer (* 6. August 1824 in Weimar; 3. Februar 1900 in Jena). Er war ein Physiker, Mathematiker, Astronom und in diesen drei Disziplinen Professor an der Universitt Jena.
Als ltestes von vier Geschwistern wuchs Hermann Schaeffer im Wielandhaus in Weimar auf. Die Mutter Caroline Schaeffer war mit der Familie des Schriftstellers Christoph Martin Wieland verwandt. Der Vater, Kommissionsrath Karl Schaeffer, erzog seine Kinder sehr liberal und fr alles Neue aufgeschlossen. Seine Kinder hielt er frh zum Basteln und Experimentieren an. Reichlich beschenkte er sie mit physikalischem und mathematischem Spielzeug. Hermann Schaeffer erhielt zunchst Privatunterricht und besuchte dann das Gymnasium in Weimar. Besonders prgte ihn dort der Mathematik- und Physikunterricht Ludwig Albrecht Kunzes, der bei Jakob Friedrich Fries in Jena studiert hatte. Kunze legte besonderen Wert auf die Vermittlung der Geschichte und praktischen Bezge der Mathematik.
Schaeffer studierte ab 1844 an der Universitt Jena, 1846/47 in Dresden, Berlin und Leipzig. Dort besuchte er die mathematischen Lehrveranstaltungen von Peter Gustav Lejeune Dirichlet, Jakob Steiner, August Ferdinand Mbius und Moritz Wilhelm Drobisch. Nach seiner Rckkehr 1847 nach Jena promovierte er und habilitierte sich 1850 bei Karl Snell, bei dem er als Mitarbeiter blieb. Er wurde 1856 auerordentlicher Professor fr Physik, Mathematik und Astronomie. 1878 wurde er ordentlicher Honorarprofessor fr Physik. Bekannt wurde Schaeffer vor allem als uerst begabter Didaktiker und Wissenschaftspopularisator, der fr eine Volksbildung ohne gesellschaftliche Grenzen eintrat. Er baute als Hochschullehrer die experimentelle Physik aus und legte die erste Sammlung physikalischer Apparate und Versuchseinrichtungen an. Dazu nutzte er einen bescheidenen Etat von 40 Talern. Unter der Bezeichnung physica pauperum (Physik der Armen) sammelte er zahlreiche von ihm selbst entworfene und mit einfachsten Materialien gebaute Apparate und Modelle. Vor allem Lehrer und zuknftige Lehrer wollte er damit anleiten, selbst bei geringstem Budget der Schule noch vernnftigen und interessanten Unterricht zu gestalten. Er wollte Wissenschaft transparent als Bildung fr alle vermitteln. Dafr entwickelte er mit seinen naturwissenschaftlichen Fortbildungskursen Vorformen der Volkshochschule. In seinen ffentlichkeitswirksam inszenierten Veranstaltungen zeigte er sich als ein Lehrer, der die ihm zur Verfgung stehenden Medien geschickt einzusetzen wusste. Seit ihren Anfngen 1889 beteiligte sich Hermann Schaeffer an den von Wilhelm Detmer und Wilhelm Rein begrndeten Fortbildungskursen fr Lehrer, was damals in Deutschland eine Pionierleistung darstellte. Ganz im Sinne Schaeffers gelang es diese mit der Zeit auch fr die sonst als Nichtakademiker ausgeschlossenen Volksschullehrer zu ffnen.
Erstmals in Deutschland fhrte er in der Jenaer Garnisonskirche Foucaults Pendelversuch durch. Er verteilte Flugbltter um Erfindungen bekannt zu machen oder wies mit ihnen auf bemerkenswerte Gedanken hin. Gedenktafeln an den Jenaer Husern sollten an deren berhmte Bewohner erinnern. Besonders lag Schaeffer aber die frhkindliche Bildung am Herzen. Selbst die Kleinsten sollten so frh als mglich an Naturwissenschaft und Technik herangefhrt werden. Auf den Straen spielte er mit den Jenaer Kindern und erklrte ihnen die neuesten Errungenschaften der Technik. Er richtete in seiner Wohnung eigens ein mit lehrreichem Spielzeug vollgepacktes Kinderzimmer ein. Spielen durften dort nicht nur die Kinder der eigenen Verwandtschaft und der Freunde. Oft lud er einfach Kinder aus Jena ein.
Mit der Glasphysik schuf Schaeffer eine einzigartige Sammlung von Lehrmitteln, die er in den Glashtten des Thringer Waldes herstellen lie. Damit gelang ihm ein Hchstma an Transparenz, um auch die in den blichen Lehrmitteln unsichtbaren Vorgnge zeigen zu knnen. Im Thringer Wald schulte Hermann Schaeffer die Glasmacher, die die von ihm entworfenen Modelle und Gerte herstellten. Dabei hob er einen ganzen neuen Industriezweig, den Glasapparatebau in Thringen, aus der Taufe. Seine Lehrveranstaltungen bereiteten den Grund fr die Staatliche Fachschule fr Glasinstrumentenbau in Ilmenau. Obwohl Schaeffer sich persnlich nie politisch engagierte, stand er den liberalen Ideen der Revolution von 1848 nahe. Regelmig besuchte er die Montagsgesellschaft Ernst Abbes, in dem er ber den Schler und spteren Kollegen hinaus einen engen Freund gefunden hatte. Mit Gleichgesinnten hielt er dort, wie es hie, die Ideale von 1848 hoch. Aus seiner Ablehnung Bismarcks und Preuens machte er nie einen Hehl. Bismarck verzieh er die Einigung Deutschlands unter Ausschluss der grodeutschen Lsung nicht. Sptestens nach der Grndung des Deutschen Kaiserreiches 1871 drngten Schaeffer seine Ansichten immer mehr in eine Auenseiterrolle. Die Umstnde der Einigung, die allgemeine Bismarckbegeisterung und ein langsam sich ausbreitender Antisemitismus widersprachen seinen altliberalen Ansichten. Schaeffers Toleranz zeigte sich auch in der Selbstverstndlichkeit, mit der er den ihm in seinen Anschauungen vllig entgegengesetzten nationalliberal gesinnten Gottlob Frege frderte.
Die letzten Lebensjahre Schaeffers waren von Enttuschung begleitet. Seine Lehrveranstaltungen entsprachen immer weniger zeitgemen Ansprchen. Beschwerden und Forderungen nach seiner Ablsung mehrten sich. Hinzu kamen krperliche Gebrechen und ein Schlaganfall. 1899 musste Schaeffer widerwillig sein Lehramt niederlegen. Anfang des Folgejahres verstarb er nach einem zweiten Schlaganfall.
Quelle: Wikipedia